DE – Argumente

By dario, February 16, 2010 9:03 pm

Petition Jugendkultur (PDF)

Warum so genannte Killerspiele verboten werden sollen

Die Initianten: Videospiele, die Gewalt beinhalten insbesondere aus zwei Gründen verbieten

-     Die Videospiele sollen verboten werden, weil es moralisch verwerflich sei, dass Gewalt „zum Spielerfolg“ beiträgt.

-     Die Videospiele seien ein Sicherheitsrisiko, weil Videospiele mit tragischen Vorfällen wie Amokläufen in Verbindung gebracht werden.

Mit beiden Argumenten sind wir nicht einverstanden. Elektronische Videospiele wie Counter Strike erfreuen sich grösster Beliebheit. Fast jeder Dritte in der Altersgruppe zwischen 16 und 49 spielt in der Schweiz regelmässig elektronische Videospiele. Mit der starken Verbreitung von breitbandingen Internet-Anbindungen (ADSL, Kabel, Glasfaser etc.) steigt der Anteil derer, welche diese Spiele in einem Wettkampforientierten Kontext (Elektronischer Sport) spielen. Diese sind in sogenannten Clans organisiert. Clans sind die Vereine der Gamer, analog zu den Fussballclubs oder Leichtatletikvereinen. Vor allem Jugene spielen regelmässig am PC oder an Konsolen.

Für eine selbstbestimmte Jugendkultur!

Diese Jugendlichen haben sich ihre Freizeitkultur selbst ausgesucht. Es gibt keinen Grund, warum andere oder ältere Generationen darüber entscheiden sollten, ob die Jugendlichen diese Videospiele spielen dürfen oder nicht. Computerspiele sind Spiele, hier wird nicht das Töten geübt. Es gibt keinen moralischen Grund, die Videospiele zu verbieten. Im Gegenteil, die Gamer-Szene ist auch in der Schweiz stark im Wachsen begriffen. Hier entwickelt sich eine absolut friedliche neue (und teilweise sogar kreative) Jugendkultur. Innerhalb der Gamer-Bewegung, haben sich verschiedene Trends entwickelt, wie zum Beispiel die E-Sports Community, welche auf Basis von Computerspielen eine Sportgemeinschaft entwickelt hat. In diesem Bereich sind in den letzten Jahren verschiedene nationale und Internationale Ligen und Turniere entstanden, welche nach dem Vorbild traditioneller Sportarten aufgebaut sind. Der positive Effekt solcher Bewegungen sind mitlerweile auch von Sozialforschern erkannt worden.

Sicherheit?

Die Videospielgegner wollen die Videospiele auch verbieten, weil sie anscheinend ein Sicherheitsrisiko darstellen. Tragische Vorfälle wie die Amokläufe von Columbine (US) oder Winnenden (D) müssen als Argumente herhalten. Die Täter hätte angeblich ihre Amokfantasien aus Ego-Shootern. Fakt ist: Hunderttausende spielen weltweit solche Spiele. Bei einem verschwindend kleinen Anteil zeigen sich negative Folgen. Für Menschen, die in zerrütteten Verhältnisse aufgewachsen oder psychisch labil kann der exzessive Konsum von Computerspielen möglicherweise tatsächlich problematisch sein, aber… Erstens bringen die Amoktäter ihre Opfer immer noch mit echten Schusswaffen um und nicht mit Computerspielen. Ausserdem ist der Anteil gewaltbereiter unter den Gamern verschwindend klein, ein Verbot käme einer Kollektivstrafe gleich. Auch Alkoholkonsum führt zu Gewaltexzessen. Es käme jedoch niemandem in den Sinn, deswegen Bier und Wein zu verbieten.

Ein Verbot wäre wirkungslos

Selbst, wenn wir die Anliegen der VideospielgegnerInnen teilen würden, so wäre das Verbot doch die falsche Lösung. Nicht nur ist es illusorisch zu glauben, man könne in Zeiten des World Wide Web die Verbreitung von Videospielen verhindern. Auch die Begriffe der Gegner sind ungenau. So Sollen Spiele verboten werden, in denen „…grausame Gewalttätigkeiten gegen Menschen und menschenähnliche Wesen zum Spielerfolg beitragen.“ (Motion Allemann). Jeder Hobbyprogrammierer könnte jedes beliebige Videospiel wie Counter Strike inner Kürze so umgestalten, dass der direkte Zusammenhang zwischen Gewalt und Spielerfolg nicht mehr direkt nachweisbar wäre. Das Verbot wäre innert Kürze ausgehebelt. Abwandlungen oder Erweiterungen von Videospielen, so genannte Mods, werden bereits heute von einem Grossteil der Gamergemeinde im privaten Kreis entwickelt.

Ein Verbot würde Gewalt in Videospielen zu einem Tabuthema machen, welches nicht mehr thematisiert wird, da es laut Gesetz nicht existiert. Dabei muss in diesem Bereich Aufklärungsarbeit geleistet werden um Eltern und Jugendliche über altersgerechte Spiele zu informieren.

Stärkung der Medienkompetenz von Eltern und Lehrpersonen

Immer noch schauen zu viele Eltern weg, wenn es um Videospiele geht, und wissen wenig über das Hobby Videospiele, und dass dieses sehr viel mehr beinhaltet als Gewaltdarstellungen. Dieses Problem würde durch die Verdrängung der gewalthaltigen Videospiele in die Illegalität noch verstärkt werden. Stattdessen ist es sinnvoll, wenn Eltern und Lehrpersonen den Umgang mit dem Medium Videospiel lernen. In nationalen Aktionen zur Förderung der Medienkompetenz soll vermittelt werden welche Spiele für welche Altersklasse geeignet sind, und welche nicht. Dazu bietet das PEGI-Einstufungssystem ein gutes Instrument. PEGI ist ein etabliertes gesamteuropäisches Einstufungssystem von Videospielen. Zudem sollten Problematiken wie Suchtverhalten im Zusammenhang mit gewissen Videospielen wie zum Beispiel World of Warcraft thematisiert werden.

Für einen wirksamen Jugendschutz statt kontraproduktivem Verbot

Der Jugendschutz in der Schweiz besteht momentan aus einem freiwilligen „Code of Conduct“ der Branchenorganisation SIEA, welchen 90% der Händler unterschrieben haben und sich verpflichten, Videospiele nur gemäss den Altersempfehlung der PEGI zu verkaufen. Dies ist in guter Ansatz, dennoch sind hier die Durchsetzung von Sanktionen nicht ausreichend sichergestellt, zudem basiert das ganze auf einer Freiwilligkeit. Hier muss nachgebessert werden, und die PEGI-Norm sollte gesetzlich verankert werden, der Verkauf von ungeeigneten Spielen an Minderjährige soll unter Strafe gestellt werden, ähnlich wie dies bei Tabak und Alkohol heute der Fall ist.

Ein Verbot hingegen würde den Jugendschutz behindern, da auf zwielichtigen Downloadplattformen im Internet und auf dem Schwarzmarkt garantiert niemand nach einem Ausweis fragt. Zudem würden diese Spiele tabuisiert, was einerseits den Reiz des Verbotenen weckt und andererseits den Jugendschutz verkompliziert, da man dort mit illegalen Medien arbeiten müsste.

Motion Allemann/Standesinitiative Bern (wortgleich)

Standesinitiative St. Gallen

  • Digg
  • Facebook
  • MySpace
  • RSS
  • Twitter

7 Responses to “DE – Argumente”

  1. «die PEGI-Norm sollte gesetzlich verankert werden, der Verkauf von ungeeigneten Spielen an Minderjährige soll unter Strafe gestellt werden»

    Das ist gar keine gute Idee. Habt Ihr schonmal darüber nachgedacht, was dann mit Free- und OpenSource Spielen passiert?

    Die haben keine PEGI Einstufungen, weil niemand das Geld dazu hat, sie einstufen zu lassen. Das würde dann bedeuten, dass sie ohne obligatorisches PEGI Symbol nicht mehr vertrieben werden dürfen, oder wie in Deutschland erst ab 18. Das ist aber ein gewaltiger Nachteil!

    Selbst harmlose Spiele wie PacMac oder Tetris wären dann ab 18 oder ganz verboten, wenn die Implementation kein PEGI Symbol hat.

    Betroffen sind nebst FOSS z.B. auch kleine unabhängige Programmierer, Shareware und Spiele Klassiker, die kein PEGI haben.

    Eine Linux-Gamers-DVD zu erstellen und zu vertreiben wäre nicht mehr möglich.

    Das kann und darf nicht sein.

    Darum ist die Forderung nach einer gesetzlichen Verankerung von PEGI vollumfänglich abzulehnen.

    Solange der 2. letzte Abschnitt hier steht, werde ich die Pedition niemals unterschreiben. Ich bitte Euch, diesen Abschnitt zu entfernen.

    ind er Piratenpartei läuft zu diesem Thema gerade eine grosse Diskussion. Hier mein Gegenvorschlag dazu:

    * Die Piratenpartei sollte aufklären und sinnvolle Massnahmen vorschlagen:
    o Bereits heute sind menschenverachtende Spiele verboten. Da braucht es kein neues Gesetz.
    o PEGI wird vom Handel bereits umgesetzt. Auch da braucht es kein neues Gesetz.
    o Spiele schaden nicht weil sie gewalttätig sind, sondern wenn schon weil sie süchtig machen und dadurch soziale Defizite mitverursachen können, dieses Problem haben aber nicht nur Spiele, sondern auch Fernsehsendungen oder gar Bücher.
    o Jugendliche, die Amok laufen oder gewalttätig werden, haben andere Probleme. Diese Probleme sollten erkannt und angegangen werden. Das ist eine sinnvolle Gegenstrategie zu Verbotsforderungen:
    + Wir können psychologische Betreuung fordern für Jugendliche mit sozialen Defizite.
    + Wir können professionelle Unterstützung fordern für Familien mit schwierigen Kindern.
    + Wir können uns für bessere Schulbildung einsetzen, für höheres Bildungsniveau, kleinere Schulklassen, mehr Förderung für jedes einzelne Kind, um aus jedem Kind das maximale Potential herauszuholen, und um Kindern so bessere Berufs- und Zukunftsaussichten zu geben, aber auch um sie durch individuelle Förderung von zuviel Druck und Stress zu entlasten.
    * Die ganze «Killerspieledebatte» ist ein Scheingefecht mit einem Scheinschuldigen und Scheinlösungen.
    * Auch wenn man Verbote umsetzt wird die Gewalt deswegen nicht abnehmen. Dazu bräuchte es ganz andere Massnahmen.
    * Wir sollten Studien fordern und von Massnahmen verlangen, dass sie wissenschaftlich begleitet werden und bei fehlendem Nutzen wieder eingestellt werden.
    * Es sollte vor allem eine Studie erstellt werden über Ursachen von Gewalt und dann weitere zu möglichen Gegenmassnahmen, die auf ihre Wirkung geprüft werden.
    * Von Forderungen nach mehr Restriktion sollten wir uns distanzieren.
    * Wir sollten auf Probleme von solchen Forderungen hinweisen, um sie wenigstens zu entschärfen:
    o Absolute Verbote lehnen wir klar ab. Man muss die Jugend schützen, ja, aber nicht Erwachsene bevormunden.
    o Zu restriktive Massnahmen führen zu einer Art Selbstzensur, wie in Deutschland, wo oft bei Spielen oder Filmen nicht dieselben Fassungen erscheinen, wie in anderen Ländern (manchmal obschon sie das dürften, weil sie dann zu hoch eingestuft würden). Das wollen wir nicht, wir lehnen auch indirekte Zensur ab.
    o Einige Spiele sind tatsächlich an erwachsene Spiele gerichtet. Für Diese Spiele könnte man den Verkauf auf Erwachsene beschränken. (CounterStrike gehört allerdings nicht dazu und ist sehr wohl auch für Jugendliche geeignet.)
    o (neu 19.2. 7.55) Jede Art von Zensurliste muss im Internet unbeschränkt zugänglich sein.
    o Würde hingegen PEGI gesetzlich verankert, könnte das fatale Folgen haben, darauf müssen wir hinweisen und wenigstens entsprechende Forderungen aufstellen. Insgesamt sehe ich aber die Probleme als Grund, eine gesetzliche Verankerung von PEGI abzulehnen:
    + Die Regelung darf FOSS und Indy nicht behindern:
    # Die Prüfung muss entweder gratis (und schnell) sein
    # Oder es muss möglich sein, Spiele auch ungeprüft ohne Einschränkungen zu vertreiben – aber dann ändert sich nichts zur aktuellen Regelung.
    # Auf keinen Fall darf es sein, dass wie in Deutschland alle FOSS Spiele «ab 18» sind, weil eine PEGI fehlt.
    + Eltern müssen das Recht haben, ihren Kindern auch Spiele zu geben, die nicht für deren Alter zugelassen sind.
    + Wenn ein fremdes Kind bei einem anderen Kind Spiele spielt, die nicht für sein Alter freigegeben sind, dürfen die Eltern des anderen Kindes deswegen nicht in Schwierigkeiten geraten.
    + PEGI ist eine private Organisation und ist nicht demokratisch legitimiert
    * Wir sollten versuchen gamerights.ch von unserer Haltung zu überzeugen, insbesondere, dass eine gesetzliche Verankerung von PEGI nicht wünschenswert ist, so dass wir künftig am gleichen Strang ziehen.

  2. Seit 15 Jahren organisiere ich LANparties 35 Veranstaltungen mit zum Teil über 800 Teilnehmern, die über Tage auf engstem Raum miteinander Spielen. Also quasi für den harten Kern der Killer-Spiele-Spieler.

    Wir hatten nie eine Schlägerei, noch nie eine Sachbeschädigung und dies obwohl bei Veranstaltungen unter 300 Teilnehmern nie eine Security hatten.

    Das kann wirklich nur irgendwelchen Presseleuten, welche absolut keine Ahnung von der Materie haben, Computerspielen als Ursache für Gewalttaten zu nennen. – Das entbehrt jeglicher Grundlage. – Aber wenn mal ein Sündenbock gefunden ist, wissen viele Leute und Politiker nichts besseres als darauf zu zeigen. – Das war im Zweiten Weltkrieg schon so und die Menschheit hat nichts dazugelernt…

    Gamer sind friedliebend und gegen Gewalt!

    Herzliche Grüsse

    André RAYDEN Christen

  3. Preite Doris says:

    Ja lasst euch nicht alles verbieten

  4. Nico P. says:

    Ich könnte riesen Texte schreiben, fasse mich aber jetzt kurz, denn andere Gamer schreiben schon den meisten schon aus der Seele.

    Beim Onlinegamen, wie bei Counter Strike und CoD Modern Warfare 2 habe ich nicht Spass am Töten, sondern am taktische Denken, Teamwork und ausprobieren des Spiels.

    Politiker sehen meiner Meinung nach nur die Gewahlt und nicht das Potenzial und der Aufwand einer fantastischen digitalen Welt. Die Gamer wollen eintauchen und eine art Erfahrung in einer total unbekannten, gefährlichen und spannend Welt machen, die sie hier nie zu Gesicht bekommen werden.

    Ich finde es nicht fair den Gamer WELTEN wegzunehmen und werde darum kämpfen, dass Killerspiele nicht verboten werden! Denn das Gamen ist das Hombie von mehr als 25 MILLIONEN!

  5. Michael says:

    Hallo zusammen! :-)

    Viele Personen glauben, dass Killerspiele die Psyche schadet.
    Ich erlaube mir nun eien blöden Vergleich zum Gesetzgebung der Prostitution.

    (Es ist in Schweiz erlaub ab 16 Jahren auf den Strich zu gehen.)

    Ich glaube, wenn ein fünzig jähriger Mann auf eine 16-Jährige liegt bzw. F***t. Dann sollte doch jeder Psycho-Heine bestätigen können, dass das Sexualverhalten der 16-Jährige/Jährigen gestört wird und wieso ist das erlaubt???

    Man könnte meinen, dass 90% aller Politiker pädophil sind, da bis jetzt nichts unternommen wurde.
    Jugendschutz?????????

    Gruss
    Michael Züger

  6. Caspar Humm says:

    Ein paar Dinge finde ich noch erwähnenswert: Es geht nicht nur um eine selbstbestimmte Jugendkultur, sondern auch um eine selbstbestimmte Erwachsenenkultur. Der durschnittliche Gamer ist nicht etwa 15, sondern 30 Jahre alt.

    Ausserdem ist es nicht nur so, dass die Argumente der Verbotsbefürworter falsch sind. Noch viel wichtiger ist die Tatsache, dass sie ganz einfach nicht geeignet sind, einen Straftatbestand zu begründen. Selbst wenn sie richtig wären, müsste man gegen ein Verbot der Spiele sein.

  7. Giorgio Rossier says:

    Une autre information, pour celles et ceux qui veulent aussi des arguments critiques :
    “Jeux vidéos et droit international humanitaire” sous http://www.trial-ch.org/jeuxvideos.html (D / F / IT / EN)
    Giorgio Rossier

Leave a Reply

Panorama Theme by Themocracy